Studie: Genmanipulation zur Krebsvorsorge kann stattdessen Krebs verursachen

0
144
Studie: Genmanipulation zur Krebsvorsorge verursacht stattdessen Krebs

CRISPR-Cas9 ist ein Gen-Manipulations-Tool, von dem die Wissenschaftler hoffen, dass es ihnen damit gelingt, Krebs vorzubeugen. Eine neue Studie warnt jedoch davor, dass gerade diese Strategie das Krebsrisiko erhöhen könnte.

In den letzten Jahren ist das Interesse an der Entwicklung der “Genbearbeitung” gestiegen. Genmanipulation ist der Einsatz von hoch sensiblen und präzisen Technologien, mit denen Spezialisten Segmente der menschlichen DNA für therapeutische Zwecke verändern können. (1)

Genauer gesagt, sind Wissenschaftler daran interessiert, in die genetischen Varianten einzugreifen, die das Risiko für die Entwicklung bestimmter Krankheiten, einschließlich Krebs, erhöhen können.

Während die Genmanipulation – und speziell das Präzisionsschnittwerkzeug CRISPR-Cas9 – vielversprechend ist, warnt eine neue Forschung, dass wir gut daran tun würden, noch keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. (2)

Zwei unabhängige Forschungsartikel, die jetzt in der Zeitschrift Medicine Now veröffentlicht wurden, berichten, dass Genmanipulationswerkzeuge das Krebsrisiko durch die Störung eines sehr feinen zellulären Mechanismus tatsächlich erhöhen können.

Eine Studie – durchgeführt von Dr. Emma Haapaniemi und Kollegen vom Karolinska Institutet in Stockholm, Schweden, und der Universität Helsinki in Finnland – hat jetzt herausgefunden, dass die Verwendung von CRISPR-Cas9 zur Bearbeitung von DNA in menschlichen Zellen unerwünschte Folgen haben kann. (3)

Wie CRISPR das Krebsrisiko erhöhen kann

Beim Testen von CRISPR-Cas9 an menschlichen Zellen in vitro stellten Dr. Haapaniemi und ihr Team fest, dass der Manipulationsprozess das Protein p53, das die DNA bindet, aktivieren kann. Aus diesem Grund werden Zellen, in denen p53 vorhanden ist und aktiv wird, auf die “Reparatur” der DNA reagieren, in die CRISPR-Cas9 “eingeschnitten” hat. (4)

Diese Gegenwirkung kann die Wirksamkeit des Genom-Bearbeitungstools verlangsamen oder hemmen, was bedeutet, dass CRISPR-Cas9 am besten in Zellen wirkt, denen p53 fehlt oder die dieses Protein nicht aktivieren können.

Es gibt aber einen Haken: p53 ist auch ein Tumorsuppressor, so dass in Zellen, in denen p53 fehlt oder nicht funktioniert, dies dazu führen kann, dass sich die Zellen anormal vermehren und somit bösartig werden.

“Indem wir Zellen auswählen, die das beschädigte Gen, das wir reparieren wollten, erfolgreich repariert haben, könnten wir versehentlich auch Zellen ohne funktionelles p53 auswählen”, erklärt Dr. Haapaniemi.

Und sie warnt: ” Wenn man diese Zellen in einen Patienten einpflanzt, wie in der Gentherapie bei Erbkrankheiten, könnten sie Krebs auslösen und die Sicherheit von CRISPR-basierten Gentherapien gefährden.

Nebenwirkungen der Genmanipulation sind zu berücksichtigen

Aufgrund dieser Befürchtungen und Risiken raten die an der aktuellen Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sich auch ernsthaft mit dem therapeutischen Potenzial von Genombearbeitungs-Tools auseinanderzusetzen, welche Nebenwirkungen auftreten können und wie man am besten damit umgeht.

“CRISPR-Cas9 ist ein leistungsfähiges Werkzeug mit erstaunlichem therapeutischem Potenzial”, räumt Studien-Coautor Dr. Bernhard Schmierer ein.

Er fügt jedoch hinzu, dass es mit großer Vorsicht behandelt werden sollte und ermutigt, dass weitere Arbeiten durchgeführt werden, um die Auswirkungen von CRISPR-Cas9 und p53 Interaktionen auf zellulärer Ebene vollständig zu verstehen.

“Wie alle medizinischen Behandlungen”, sagt er, “können CRISPR-Cas9-basierte Therapien Nebenwirkungen haben, die den Patienten und Pflegern bewusst sein sollten. Unsere Studie legt nahe, dass die zukünftige Arbeit an den Mechanismen, die p53 als Reaktion auf CRISPR-Cas9 auslösen, für die Verbesserung der Sicherheit entscheidend sein wird.”


Quelle

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.