Opiate: die Sucht nach Geborgenheit?

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Als ich meinen Freund Noah kennengelernt habe, war er noch schwer opiatsüchtig.

Heute ist er clean von Opiaten – doch es war ein langer schwerer Weg für ihn!

Ich habe ihn auf seinem Weg zum clean werden begleitet, doch ich bin hierbei oft an meine Grenzen gestoßen – doch heute weiß ich, dass niemand einem Süchtigen seine Entscheidung abnehmen darf und kann, ob er clean werden will oder nicht!

Die Entscheidung muss der Betroffene für sich selbst und nur für sich selbst treffen!

Außerdem bringt „Zerren“ absolut nichts!

Wenn jemand nicht clean werden will, wird er es nicht!

Aber Noah war schließlich an dem Punkt, an dem er clean werden wollte – für sich!

Dafür bin ich unendlich dankbar.

Natürlich habe ich noch manchmal Angst, dass Noah rückfällig werden könnte, vor allem wenn die „Mohnblumen – Saison“ wieder eröffnet ist im Sommer und man zufällig beim Spazierengehen in Gärten über Mohnblumen stolpern kann…

Doch ich vertraue Noah heute wieder und er ist nun zwei, ein halb Jahren clean, mit nur zwei kleineren Rückfällen – doch er hat sich dann schließlich beim letzten Rückfall lieber die Hand mit einem Feuerzeug verbrannt, als zu konsumieren – er tat dies um seinem Suchtdruck standzuhalten – spätestens hier sollte deutlich werden, welches Teufelszeug Opiate sind und wie stark man sein muss, um davon wieder loszukommen..

Hier Noahs Erinnerungen an seine Zeit mit Opiaten:
„Mit 16 Jahren habe ich die Droge Opiate entdeckt, ich habe im Medikamentenschrank meiner Eltern ein Fläschchen mit der Aufschrift „Codein“ gefunden.
Ich wusste nicht was es ist, habe dann aber gegoogelt und herausgefunden, dass es ein Rauschmittel ist.
Ich habe es dann konsumiert und eine starke, innere Wärme gespürt und das Gefühl von GEBORGENHEIT, wie noch nie zuvor.
Als das Fläschchen leer war, hat es sich vorerst für mich erledigt, bis ich dann nach Nürnberg gezogen bin.
Ich war fremd in der Stadt, kannte keine Leute, teilweise war mir auch langweilig – dann habe ich das Codein wieder für mich entdeckt.
Damit fing es dann richtig an.
Mit der Zeit ging ich jeden Tag zu irgendeinem Arzt in der Stadt um mir ein Rezept zu holen, mit der Zeit wurde der Rausch aber immer schwächer und schwächer und ich hatte es dann wieder vorerst aufgehört zu nehmen.
Schließlich hatte ich dann ein Praktikum im Krankenhaus gemacht und in dieser Zeit habe ich dann Tramadol entdeckt.
Jeden Morgen habe ich mir 200 – 300 mg geklaut aus dem Medikamentenkasten des Krankenhauses und zur selben Zeit habe ich ein Mohnfeld entdeckt.
Es waren wirklich sehr viele Pflanzen und so sah dann mein Tag aus:
Während dem Praktikum habe ich Tramadol genommen und später war ich dann auf dem Schlafmohnfeld und habe Schlafmohn gekaut.

So ging es paar Wochen, ich kam dann aber im Krankenhaus auf eine andere Station und hatte keinen Zugang mehr zu dem Tramadol.
Zur selben Zeit war auch das Mohnfeld aufgebraucht.
Da hatte ich meinen ersten kalten Opiatentzug.
Mir lief die Nase, ich hatte Rücken und Gelenkschmerzen, ich war missmutig, einfach alles was ich gemacht habe war eine Qual.
Dann habe ich ein Pause gemacht von Opiaten, ich hatte meine Hippy Phase, habe viel gekifft, Psychadelica genommen und bin dann auch nach Flensburg umgezogen.
Mit dem Umzug nach Flensburg hat dann wieder das gleiche Spiel wie in Nürnberg begonnen,
ich war alleine in der Stadt und fühlte mich einsam – ich nahm wieder Opiate.
Zunächst hauptsächlich Codein, aber dann auch wieder Tramadol.
So ging es gefühlt eine Ewigkeit – zum Arzt rennen, konsumieren, zum Arzt rennen, konsumieren.
Ich hatte den Überblick verloren, wie viel ich überhaupt nahm.
Aber dann entschieden sich die Ärzte alle bei denen ich Opiate geholte hatte immer, in kürzester Zeit – fast so als ob sie sich abgesprochen hätten – mir nichts mehr zu verschreiben.
Und ich war wieder auf Entzug.
Dieses Mal war der Entzug aber viel heftiger wie in Nürnberg:
ich habe geweint, ich habe geschrien, bin zu verschiedenen Ärzten gegangen, in der Hoffnung noch ein Rezept zu bekommen – aber alle Ärzte entschieden sich mir nichts mehr zu verschreiben.
Schließlich bin ich entzügig durch die Stadt gelaufen und ich traf auf eine Gruppe von Dealern und da holte ich mir dann das erste Mal Heroin, also „Schorre“.
Dann habe ich meine erste Line gezogen, habe aber nicht sehr viel gemerkt, fühlte mich immer noch entzügig.
Da kam ich dann auf die Idee es mir zu spritzen.

Dann hatte ich endlich wieder dieses eine, schöne Gefühl nach dem ich mich so sehr sehnte: GEBORGENHEIT & WÄRME.
Der Dealer war nicht sehr zuverlässig, aber ich habe mir trotzdem von ihm das Heroin geholt, so ging es 2,3 Wochen, bis der Dealer schließlich nicht mehr ans Handy ging.
Da merkte ich, ich bin in einer Sackgasse!
Ich ging in ein Krankenhaus, um einen warmen Entzug zu machen, allerdings konnte ich in dieser Klinik nur einen kalten Entzug machen.
Zwei Tage habe ich das ausgehalten, dann rief ich meine Mutter an und habe sie gebeten mit einem Substitutionsarzt in Flensburg zu sprechen, in der Hoffnung, das ich die Zeit so überbrücken kann, bis ich in einer bayerischen Klinik einen warmen Entzug machen kann.
Ich bekam drei Wochen lang Polamidon, ein Subsitutionsmittel.
Nach dieser Zeit habe ich dann den Entzug gemacht, aber als ich dann wieder aus der Klinik draußen war, habe ich trotzdem hin und wieder Opiate genommen.
In meiner Nachbarschaft habe ich dann auch einen Garten mit Schlafmohn entdeckt und so bin ich alle paar Nächte eingebrochen und habe mich bedient.
Ich hatte einfach nicht den Willen aufzuhören.
So ging es weiter, bis ich ich meine Freundin kennengelernt habe.
Da entwickelte ich schließlich den Willen clean zu werden.
Bis auf 2 Rückfälle bin ich seit zwei ein halb Jahren clean von Opiaten und seit ich die Welt wieder nüchtern erlebe, bin ich mir selbst wieder näher gekommen und auch meiner Familie.
Ich weiß heute, dass die Gefühle, die Opiate vermitteln „falsch“ sind, die GEBORGENHEIT nicht echt..
Wahre GEBORGENHEIT finde ich heute bei meiner Familie und meinen Freunden.“

Artikel und Buch

“Die unheimliche Magie der Psychose”

von Vera Maria,

Artikel in Zusammenarbeit mit “Noah”

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Vera Maria
Mein Name ist Vera Maria und ich bin Betroffene einer psychischen Besonderheit ;) Ich weigere mich den Begriff "psychisch krank" zu verwenden, da es sich meiner Meinung nach niemand anmaßen darf zu definieren, was "normal" ist und was "krank". Früher habe ich sehr unter meiner Besonderheit gelitten. Ich hatte starke Ängste und Zwänge und habe durch 4 Suizidversuche mein Leben aufs Spiel gesetzt. Meine Entwicklung war geprägt von Manien und Depressionen und erst mit einer Psychose setzte bei mir Heilung ein. Mir ist bewusst, dass die meisten Menschen Psychose als etwas negatives sehen, aber ich meine in Psychose "eine unheimliche Magie" zu erkennen. Mit der Heilungschance, die Psychose bieten kann, beschäftige ich mich in meinen Büchern. Mein erstes Buch "Die unheimliche Magie der Psychose" wurde 2017 beim "Verlag der Ideen" veröffentlicht. Hier der Link zum Buch: https://verlagderideen.de/portfolio/die-unheimliche-magie-der-psychose/

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