Psychose und Okkultes?

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Rezension über mein Buch “Die unheimliche Magie der Psychose”

Ich hatte das große Glück, dass Dr. Dipl.-Päd. Sarah Pohl mir eine Rezension über mein erstes Buch “Die unheimliche Magie der Psychose” geschrieben hat, die in der ZFA veröffentlicht wurde.
Die Zeitschrift für Anomalistik (ZFA) wird von dem Verein “Gesellschaft für Anomalistik e.V.” publiziert.
Sie versteht sich als ein wissenschaftliches Forum zur Förderung eines kontroversen Diskurses über wissenschaftliche Anomalien, außergewöhnliche menschliche Erfahrungen und sog. Parawissenschaften.
Unter dieser Perspektive werden in der Zeitschrift für Anomalistik zum Beispiel folgende Themen behandelt: Paranormale Überzeugungssysteme, Mondeinflüsse auf den Menschen, Nahtodes-Erfahrungen, UFO-Berichte, Kryptozoologie, Parapsychologie und Psi-Experimente, Außerkörperliche Erfahrungen, Astrologie, Paraphysik, Geomantie, Homöopathie, Morphische Felder, Reinkarnation, Radiästhesie, Wissenschaftsgeschichte, -theorie und -soziologie, Skeptizismus, Grenzgebiete der Psychologie u.a.m.
In einer Ausgabe, ist nun eben die Rezension über mein Buch erschienen.
Ich finde es hochspannend den Blickwinkel zu erweitern und das Thema “Psychose” mit dem Paranormalen in Verbindung zu bringen.
Hier ein Onlineartikel, der gut wiedergibt, wie ich dem Übernatürlichem in der Psychose begegnet bin und auch einen ersten Eindruck von meinem Buch liefert.
Hier die Homepage von dem Verein “Gesellschaft für Anomalistik e.V.”, auf der auch die Zeitung ZFA zu finden ist.

Und hier also die Rezension:

Die unheimliche Magie der Psychose: Eine Erfahrung

von Dr. Sarah Pohl
Dr. Sarah Pohl war acht Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin und hatte die stellvertretende Leitung der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg inne.
Nach dem Diplom in Erziehungswissenschaft und einem Lehramtsstudium promovierte sie zum Thema „Kinder und Erziehung in Sekten“.

„Ist Psychose eine Krankheit oder mehr als das? Öffnet sie vielleicht sogar Zugänge in Räume, die sonst verschlossen sind? Ist sie nicht nur Krankheit, sondern auch Bewusstseinserweiterung?“

Dieses Zitat ist auf dem Klappentext des 2017 erschienen Buches „Die unheimliche Magie der Psychose“ zu lesen.
Die damals 24-jährige Autorin Vera Maria schildert darin autobiographische Erfahrungen und Erinnerungen aus ihren verschiedenen psychotischen Phasen.
Angereichert ist das Buch mit kleinen Texten, Fotos und selbstgemalten Bildern der Autorin.
Stilistisch kombiniert die Autorin verschiedenste Elemente, sie wechselt im ersten Teil des Buches sehr kreativ zwischen der Beschreibung autobiographischer Episoden (wie sie es nennt), Erinnerungsfetzen und Hintergrundinformationen zu Zwangsstörungen, schizoaffektiven Störungen und philosophischen Überlegungen.
Im zweiten Teil beschreibt sie, in eher geschlossenen Kapiteln, das Thema Suizidalität und ihre vier Suizidversuche, Zwänge, Sucht und Drogen und spricht über Ressourcen in schwierigen Zeiten.
Trotz dieses Wechsels in Stil und Form ist der Text in sich stringent und erlaubt eine sehr gut les- und nachvollziehbare Sicht auf das Innenleben der Autorin.
„Alles Sein ist flammend Leid.“ (Franz Marc, 1880–1916) steht auf der ersten Seite des Selbsterfahrungsberichts von Vera Maria.
Das „flammend Leid“ wird in den äußerst authentischen Erfahrungen, welche die Autorin im Rahmen von Psychosen machte, sehr greifbar.
„Nun, meine folgende Geschichte ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine Schilderung der Ereignisse, die ich erlebt habe, und ich denke, niemand kann mit Gewissheit sagen, wo die Grenze zwischen Wahrheit und Illusion tatsächlich verläuft“
(S. 7), schreibt Vera Maria im Vorwort.
Ihr anschließender Selbsterfahrungsbericht lädt dazu ein, Perspektiven zu wechseln, indem sie es ermöglicht, Erfahrungen, welche in Psychosen gemacht werden, empathisch mitzuerleben.
Diese Perspektive aus der Sicht einer Betroffenen kontrastiert sie selbst immer auch mit Hintergrundinformationen zu ihrem Krankheitsbild.
Das Buch hat damit einen doppelten Nutzen, da es einerseits Lesern dazu verhelfen kann, ein anderes Verständnis für Menschen in Psychosen und deren besondere Form der Wahrnehmung zu entwickeln, und es andererseits gleichzeitig eine Form der Aufarbeitung für die Autorin selbst darstellte.
Die Autorin erkrankte im Alter von 17 Jahren an einer Angststörung, welche sich im Laufe der Zeit zu einer schizoaffektiven Störung entwickelte.

In besonderem Maße widmet sich Vera Maria auch dem heilsamen und spirituellen Potential von Psychosen, das sie selbst für sich so erlebt hat.

Sie greift aus den unterschiedlichen Erfahrungen, welche sie während Psychosen gemacht hat, vor allem solche heraus, die sie berührt haben und in denen sie eine besondere Bedeutung für ihr Leben wahrnimmt.
Dabei stellt sie immer wieder die Frage nach der Verortung dieser Erfahrungen, da manche der vermeintlichen Halluzinationen für sie möglicherweise auch visionären, zumindest jedoch heilsamen Charakter haben (S. 14).
Und dennoch gelingt es ihr, die Psychosen und ihr Krankheitsbild nicht zu überhöhen, sondern auch die überfordernden und selbstzerstörerischen Aspekte zu betonen.
„Kann es sein, dass ich Dinge halluziniere, die aus meinem Unterbewusstsein projiziert wurden? Ich habe während dieser Psychosen immer wieder Dinge gewusst, die ich im Grunde nicht wissen kann“ (S. 18).

Der Erfahrungsbericht gibt keine fertigen Antworten, sondern teilt Vera Marias Sicht mit und lädt den Leser zu einer eigenen Meinungsbildung ein.

Die Autorin thematisiert auch, dass es ihr rückblickend schwer falle, zu unterscheiden, welche ihrer Wahrnehmungen halluziniert waren und was sich tatsächlich um sie herum abgespielt habe. Sie ist bezüglich des ontologischen Status ihrer Erfahrungen nicht festgelegt, sie lässt Möglichkeiten in beide Richtungen offen, geistig krank und geistig erweitert (S. 18).
Im Buch nehmen die Erfahrungen, die Psychose als eine geistige Erweiterung definieren würden, den größeren Raum ein, da diese offenbar für die Autorin sinn- und bedeutungsstiftende Erlebnisse waren, die schrittweise auch zu einer Veränderung ihres Zustandes führten.
Allerdings gibt sie am Schluss des Buches auch den anderen Erfahrungen, die auch in ihren Augen sehr eindeutig in eine geistig krankhafte Richtung zu interpretieren sind, Raum.
Dadurch trägt sie dazu bei, psychotische Erfahrungen differenzierter zu betrachten und nicht vorschnell zu beurteilen.
Wer meine Erinnerungen an meine Psychose liest, bekommt möglicherweise den Eindruck, sie hätte nur aus besonderen spirituellen Erlebnissen bestanden. […]
Doch dieser Eindruck täuscht! Zuerst war da diese unglaubliche Erweiterung des Geistes, doch dann wurde mir alles zuviel, ich konnte nicht mehr klar denken und war völlig verwirrt. Wenn ich an die Psychose zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an die schönen Erlebnisse. (S. 86)

Als problematisch stellt sich für die Autorin die Einordnung der Erinnerungen dar.

Sie schildert immer wieder, wie Wirklichkeitsebenen verschwimmen und halluzinatorische Aspekte sich mit tatsächlichem Erleben vermischen.
Die Autorin beschreibt auch die Gespräche mit anderen Patienten, die für sie teilweise in höchst bedeutungsvollen Kontexten standen.
An vielen Stellen wird deutlich, wie es der Autorin gelingt, Sinn in den Erlebnissen zu konstruieren, und wie sie in Psychosen auch zu tiefer liegenden Einsichten über Zusammenhänge gelangt.
Gerade die Fähigkeit, Verbindung und Bedeutung sehr gesteigert wahrzunehmen, scheint in Psychosen besonders ausgeprägt zu sein.
Besonders deutlich wird dies an einem Brief, den die Autorin sich in einer manischen Phase selbst schrieb.
Sie analysiert darin sehr treffend Ursachen und Gründe für ihren Zustand, erstellt sinnvolle eigenbiographische Bezüge und generiert ein Modell zur Entstehung ihrer Angststörung.
Im Kapitel „Zwölf vor fünf “ beschreibt die Autorin sehr offen ihre vier Suizidversuche und gibt den Lesern dabei gleichzeitig auch einen differenzierten und ehrlichen Einblick in ihr Innenleben.
Sie nimmt immer wieder eine Metaebene zu ihrem Erleben ein und gibt Hinweise zum Thema Suizid.

Die Autorin besitzt einen hohen Grad an Selbstreflexionsfähigkeit und seziert/analysiert die eigenen Erlebnisse mit schonungsloser Ehrlichkeit.

Sie spricht außerdem auch über Zwänge und gibt einige Tipps aus der Sicht einer Betroffenen, um mit Zwängen besser umgehen zu lernen.
Das vorletzte Kapitel lautet „Vera im Drogenwunderland“ und nimmt Bezug auf die Drogenvergangenheit der Autorin.
Sie beschreibt ihren Suchtlebenslauf und schildert auch, wie es ihr gelungen ist, aus der Suchtspirale auszusteigen.
Abschließend reflektiert die Autorin über den Wert von Freunden, Liebe und Spiritualität, welche sie als wesentliche Elemente betrachtet, die ihr das Über- und Weiterleben sicherten.
Dass sie neuen Lebensmut gefasst hat und auf einem guten Weg ist, wird immer wieder spürbar, nicht zuletzt auch in Überlegungen zu ihren Lebenszielen.
„Meine Lebensziele bestehen in der Pflege meiner Partnerschaft und meiner Freundschaften, dem Abschluss meiner Ausbildung und der stetigen Weiterentwicklung meiner Talente und Fähigkeiten sowie einer gelebten Offenheit für Neues“ (S. 148).

Ganz im Sinne von „Krise als Chance“ hat die Autorin gelernt, ihre krisenhaften Zeiten auch als Chance zur Reifung zu begreifen, und macht dies in dem Buch an vielen Stellen deutlich.

Mich persönlich hat Vera Marias Bericht an vielen Stellen berührt, fasziniert und gefesselt.

Krankheitsbilder aus Lehrbüchern zu kennen ist eine Sache, lebendig und greifbar aber wurde für mich die schizoaffektive Störung gerade durch diesen sehr warmherzigen und authentischen Lebensbericht.
Für den Umgang mit anderen Betroffenen kann es sinnvoll sein, sich auf solche und ähnliche Berichte einzulassen, da an vielen Stellen zu einer Innensicht auf das Erleben von psychotischen Zuständen eingeladen wird.
Gerade auch die klassisch parapsychologischen Fragen nach dem ontologischen Status bestimmter Erfahrungen werden im Rahmen von Psychosen sicherlich manchmal vernachlässigt und Psychosen werden rasch zum stigmatisierenden Sammelbegriff für Erlebnisse unterschiedlichster emotionaler, bedeutungsbezogener und salutogenetischer Qualität.

Vera Marias Bericht ermuntert zu einem sehr viel differenzierteren Blick auf diese Erfahrungen. In dem Buch wird an vielen Stellen deutlich, wie es Vera Maria gelungen ist, auch eine Form der spirituellen Bedeutung in ihren unterschiedlichen Erlebnissen zu entdecken.

Dieser ressourcenhafte Umgang mit ihrer Erkrankung ist sehr beeindruckend und inspirierend für die therapeutische/beraterische Praxis.
Rezension von Dr. Sarah Pohl

Mein Fazit:

“Ich will mich auch auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bei Frau Dr. Sarah Pohl bedanken, dass sie mir diese Rezension geschrieben hat.
Wie Frau Dr. Pohl richtig erkennt, ist es bis heute für mich schwer die Grenze zu ziehen zwischen “Übernatürlichem”, “Spirituellen” und “Wahnsinn”, “Verwirrung” bei meinen Psychosen.
Doch ich glaube, das es eine solche Grenze auch gar nicht gibt.
Die Übergänge sind denke ich fließend und dann hängt eine “Bewertung” ja auch immer vom Auge und Blickwinkel des Betrachters ab.
So versuche ich bis heute meine Psychose als das zu erkennen, was es letztlich für mich ist:

Eine Heilungschance!

Und mögen die Ereignisse in meinen Psychosen (wie das Gespräch mit dem “Teufel” oder eine Begegnung mit einer “Gottheit”) auch nur von meinem Unterbewusstsein produzierte Phantastereien, oder gar schier einfach “Zusammengesponnen” gewesen sein, so haben sie doch meine Heilung besser und schneller vorangetrieben, als jeder Psychiater und jedes Neuroleptika.
Und so bin ich meiner Psychose immer noch sehr dankbar, dass sie mir den Weg zur Heilung geöffnet hat und versuche die Ereignisse aus meinen Psychosen so gut es geht nicht zu bewerten, wie es uns ja auch der Buddhismus immer so schön mit auf den Weg gibt.
Wobei meine Intuition mir aber immer stärker sagt, dass es wohl Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die man sich rational wohl nicht erklären kann..
Ich für mich habe inzwischen zu einem tiefen Glauben gefunden, der mir Kraft gibt und mich im Leben verankert.”
Artikel von Vera Maria

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