Suizid in einer Isolierzelle – Textausschnitt “In der rechten Nische eines kleinen Fensters”

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Im Folgenden könnt ihr den Prolog von dem Buch

“Im Spiegelkabinett des Universums”,

an dem ich gerade schreibe, lesen.

Ich beschreibe darin einen Aufenthalt in einer Isolierzelle, hier vermischt sich eigene Erfahrung mit Fiktion.

Das Buch ist eigentlich eher ein Fantasy/ Sciene Fiction Buch,

aber am Anfang begeht die Protagonistin Sara eben in einer Isolierzelle Suizid,

um dann auf die “drei Pfade der Kassiopeia” zu gelangen – ein Crashkurs zur Energiebereinigung für Selbstmörder,

damit auch Selbstmörder in “Gottes Garten”, das Jenseits gelangen können..

Und damit beginnt der Trip durchs Jenseits & Diesseits erst so richtig 🙂

Wenn ihr eine Leseprobe haben wollt, schreibt mir gerne eine Email, ihr findet die Adresse auf meiner Homepage.

Warum ich nun hier diese Leseprobe poste?

Nun manchmal habe ich das Gefühl, dass für die Erfahrung einer Zwangsbehandlung, keine Beschreibungen, keine einfachen Worte reichen.

Das Erlebnis ist so intensiv, das Trauma sitzt so tief – hier meine künstlerische Verarbeitung meiner Zwangsbehandlung, die ich im ZFP Emmendingen, in der Nähe von Freiburg erleiden musste:

Prolog: In der rechten Nische eines kleinen Fensters

Ich muss schwer schlucken.
Schlucke die Tränen, die nackte Panik, die blanke Angst hinunter.
Dann blicke ich wieder auf meine fiebernden Hände.
Sie halten ein aus kalkweißen Bettlacken zusammengeknüpftes, selbst gebasteltes Seil.
Es erfüllt nur einen Zweck: meine Erlösung, meinen Tod!
Meine einzige und letzte Hoffnung!
Dann blicke ich zu meinen nackten, schwitzigen Füßen hinunter:
sie stehen auf einer blauen, matt glänzenden Gummimatratze.
Ich stehe sehr zittrig auf meinen Beinen.
Ich strecke mich etwas, strecke meine Hände zu der Fensterstange, an die ich das Seil binden will.
Dann fange ich noch einmal, wie so oft in den letzten drei Tagen, in denen ich in dieser todbringenden Isolierzelle, jener verdammten Psychiatrie bin, panisch und hemmungslos zu schreien an!!!!
Drei Tage am Stück Panikattacke, um Panikattacke,
und ich bin alleine, alleine gelassen in dieser Isolierzelle,
niemand ist bei mir,
ich bin alleine,
alleine
und ich kann nur eines tun:
SCHREIEN!

 

Gefangen im System der Psychiatrie..
Und so schreie ich mir die Seele aus dem Leib, während dies alles geschieht, brülle ich um mein Leben!
Doch es kommt niemand,
niemand hilft mir,
ich glaube fast je lauter ich schreie, umso mehr ignorieren die mich,
die verdammten Pfleger, das sogenannte Personal…
Da ist noch irgend so eine Klingel in der Ecke der grauen Isozelle mit ihren matt glänzenden Gummimöbeln,
auf deren blauen Gummimatratze ich nun stehe und nun mein selbst gebasteltes Seil aus kalkweißem Bettlacken um die Fensterstange wickle.
Ich habe die drei Tage, die ich schon in dieser Isozelle verbringe, geschrien wie eine Verrückte, habe das Klischee
der „brüllenden, durchgedrehten psychisch Kranken“
mehr als gut erfüllt,
ich hatte ja auch durch die Enge des Raumes der Zelle eine Panikattacke nach der anderen..
Doch dieser Schrecken soll nun ein Ende haben!
Mein Puls rast, ich kriege kaum Luft, ich habe Panik vor dem was nun kommen wird,
aber ich bin mir sicher es ist besser als das was gerade hier vor mir hier liegt, ich blicke noch einmal um mich, mein Blick fällt auf die metallene Toilette,
so eine lieblose Toilette
ist hier in der Psychiatrie in meiner Isolierzelle, wie man sie aus Autobahnraststätten kennt..
Die Kameras sind immer skurrilerweise auf diese silberne Toilette gerichtet..
„Mir wurde nun 3 Tage beim Klo gehen zugeschaut von völlig
Fremden..“, rast es mir noch durch den Kopf, doch ich lebe schon im Bewusstsein, das dieser Gedanke bald schon völlig belanglos sein wird..
Denn bald ist es vorbei!
Ich werde wieder frei sein und nicht geknechtet und gefoltert durch mein krankes Ego…
Ich mache einen Knoten und fixiere das Seil an der Fensterstange aus Metall, dann stecke ich meine Kopf durch die Schlinge, die ich mit dem weißen Bettlackenseil gebildet habe.
Ich denke an meinen Vater und meine, eine Mutter, die ich nie kannte!
An meine verstorbene Oma und meine Freunde, und an meine kleine Katze „Isis B.“…
Ich komme ins Zögern…
Soll ich es wirklich tun?
Dann fällt aber mein Blick auf die Gegensprechanlage und die Notrufglocke, die eigentlich meinen Kontakt zur Pflege sichern sollte, aber in den drei Tagen nur ein oder zwei mal beantwortet worden war..
Und dann ist da wieder dieses Gefühl der nackten Panik,
ein Gefühl was sich hier in dieser Zelle in eine noch nie gekannte, gewaltvolle Dimension, schier ins Unendliche gesteigert hatte, wie als würde ich auf einem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt werden!
Und je lauter ich schreie, desto weniger lassen die mich raus, das habe ich zwar gelernt, aber ich musste schreien, immer wieder und wieder..
Und deshalb blieb ich eben in der Isozelle eingesperrt,
Tag um Nacht
und noch einen Tag und eine Nacht
und noch einen Tag und noch eine Nacht.
Jeder dieser Tage, jede dieser Nächte hatte 12 Stunden.
Und jede dieser einzelnen 12 Stunden, hatte 60 Minuten.
Und in jeder einzelnen dieser 60 Minuten hatte ich Panikattacken!!!
Und niemand war bei mir, der mich getröstet oder in den Arm genommen hätte!
Ich war mehr als 4320 Minuten alleine mit meiner Panik, denn so viele Minuten haben drei Tage und drei Nächte.
Und heute ist also der Morgen von Tag Vier in dieser Isolierzelle.
Jede dieser 4320 Minuten war eine Minute zu viel, eine Minute in der sich jede Sekunde wie die qualvollste Hölle angefühlt hatte.
Mehr als 259.200 Sekunden also…
Unendlicher Schmerz in jeder einzelnen Sekunde, und das 259.200 Mal?
Deshalb habe ich glaube ich jetzt gerade den Verstand verloren!

 

In den Fängen der Psychiatrie..
Denn ich realisiere nicht mehr, das ich irgendwann hier wieder raus kommen würde aus dieser Zelle.
Ich realisiere nicht mehr die klugen Sprüche, die ich immer so zahlreich gehört hatte von Bekannten und Verwandten so wie:
„Alles wird gut und ist es nicht gut, ist es nicht das Ende!“..
Und so weiter und so fort…
Ich realisiere nur noch die Antwort der Pflegekraft, die mir heute vorher gerade die Morgenmedikamente gebracht hatte und auf meine verzweifelte Frage
„Wie lange muss ich denn noch hier bleiben, wann darf ich denn wieder hinaus?“, nur im Vorbeilaufen hastig zugeraunzt hatte, mich dabei gar nicht richtig angeblickt hatte, ja einfach nur barsch erwidert hatte:
„So schnell noch nicht!“, der Pfleger, der einem aggressiven Pitbull irgendwie noch am ähnlichsten sieht, hatte sich dann sofort wieder abgewendet und hastig die Türe hinter sich zugeknallt, abgeriegelt.
Als ich dann den Riegel vor der Tür zuschnappen hörte, ja dieses kleine metallische Geräusch, war die Kirsche auf der modrigen Sahnetorte des Schreckens und Grauens!
Da fällte ich den Entschluss, ganz spontan, aber ohne „wenn“ und „aber“.
Deshalb stehe ich jetzt hier, mit meinen nackten, zittrigen Füßen auf der blauen Gummimatratze und flüstere ein letztes hastiges Stoßgebet, gerichtet an Jesus und denke voller Schmerz an meinen Freund Jonas.
Ein Rabe krächzt erschrocken draußen vor dem Fenster laut auf, als ich es schließlich tue, in der Nische rechts jenes kleinen Fensters, dessen Scheiben schwer vergittert sind.

 

Ein Licht für alle Psychiatrieopfer & Psychiatrietoten

 

Ich habe zum Glück, im Gegensatz zu meinem Fiktiven “Ich” “Sara” den Aufenthalt in der Isolierzelle überlebt, doch dennoch ein schweres Trauma davongetragen.
Ich will eine Stimme sein für Betroffene von Psychiatriegewalt und prangere Zwangsbehandlung in Kliniken schwer an!
Zwangsbehandlung
(Wegsperren in Isolierzellen, Fixierung, Spritzen gegen den Willen des Patienten mit Medikamenten)
ist und bleibt MENSCHENRECHTSVERLETZUNG!!
“Psychisch besondere” Menschen bedürfen gerade in ihren Krisen Empathie, Zuwendung, manchmal genügt einfach ein offenes Ohr..
Aber die Psychiatrie versagt meist auf ganzer Linie!
(Vor allem die Geschlossenen Stationen)

 

Mein erstes Buch

“Die unheimliche Magie der Psychose” wurde 2017 beim “Verlag der Ideen” veröffentlicht und ist ein Erfahrungsbericht meiner schizoaffektiven Psychose. 

 

Artikel und Buch sind von Vera Maria

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